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Hochsensibilität und Stress



Ein empfängliches und hochsensibles Nervensystem ist schneller überreizt und braucht längere Zeit, um sich wieder zu erholen, da mehr Eindrücke verarbeitet werden müssen. Dadurch geraten Hochsensible schneller in einen Zustand der Überreizung und haben eine erhöhte Anfälligkeit für Stress. In vielen Situationen ist die Hochsensibilität ein Vorteil. Die Neigung zu einer hohen Stressbelastung hindert jedoch viele daran, die Vorteile ihrer Sensibilität zu erkennen und ein glückliches und erfülltes Leben zu führen.


Das optimale Erregungsniveau


Durch die Empfindsamkeit des Nervensystems werden sowohl Informationen von außen und als auch aus dem Inneren des Körpers aufgenommen und verarbeitet. Diese Informationen werden auch als Stimulation bezeichnet. Jeder Mensch braucht ein gewisses Maß an Stimulation, um optimal leistungsfähig zu sein und sich wohl zu fühlen. Während zu wenig Beanspruchung Menschen unterfordert und zu Langeweile und Trägheit führt, stellen zu viele Reize und Anforderungen eine Gefahr für das körperliche und seelische Wohlbefinden sowie die Leistungsfähigkeit dar (Yerkes und Dodson, 1908). Ein langfristig anhaltendes hohes Erregungsniveau ohne Phasen der Regeneration und Erholung schadet der Gesundheit und kann beispielsweise ein Burnout zur Folge haben.

Menschen fühlen sich immer dann am wohlsten, wenn ihr individuelles Nervensystem einer optimalen Reizstärke ausgesetzt ist, wenn sie also weder gelangweilt noch überbeansprucht sind. Es ist ein wesentlicher Faktor für die Leistungsfähigkeit und die physische und psychische Gesundheit, sich überwiegend in diesem Wohlfühlbereich zu bewegen.


Das Ziel ist also eindeutig: Die goldene Mitte finden.


Für Hochsensible ist gerade das oft besonders schwierig. Für sie gelten andere Parameter der Reizregulation und Erholung als für die Durchschnittsbevölkerung:


  • Durch das empfängliche Nervensystem werden mehr Reize und Informationen aufgenommen und tiefer verarbeitet.

  • Die Reizschwelle ist niedriger. Es gelangen Informationen ins Bewusstsein, die die Mehrheit der Menschen nicht wahrnimmt.


Das führt dazu, dass Hochsensible durch geringere Reize und deutlich weniger Stimulation in ihrem Wohlfühlbereich sind. Folglich ist auch die Schwelle zur Überreizung schneller erreicht.


Anzeichen für Überreizung

  • Diffuses Unwohlsein

  • Rauschen/Schwirren im Kopf

  • Angespanntheit

  • Angst bist hin zu Panikattacken

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Kopfschmerzen

  • Kieferschmerzen

  • Aufgedrehtes Gefühl

  • Scheinbar grundlos schlechte Laune

  • Abnehmen der kognitiven Kapazität (z.B. Verwirrtheit oder schlechtes Erinnerungsvermögen)

  • Abweisend

  • Gereiztheit

  • Häufiges Seufzen

  • Schlechte Schlafqualität

  • Gefühl von innerer Unruhe

  • Stärkere emotionale Reaktion

  • Weinerlichkeit

  • Wut (Beherrschung verlieren)

  • Abnahme der Aufmerksamkeit und Präsenz in Gesprächen

  • Modus des teilnahmslosen Funktionierens

  • Apathie

  • Weinen aus reiner Nervosität


Vielleicht geht es dir so wie mir lange Zeit: Viele Hochsensible sind es gewohnt, sich weit außerhalb ihres Wohlfühlbereichs zu befinden. Die moderne (Arbeits-) Welt biete eine enorme Reizfülle, die auch weniger sensiblen Menschen zu schaffen macht. Aber vor allem Hochsensible sind in ihrem Alltag oft einer zu starken Stimulation ausgesetzt, die ihnen nicht guttut. Sie haben sich allerdings gezwungenermaßen so stark an die Überreizung gewöhnt, dass sie diesen Zustand häufig als für sich normal empfinden und die Anzeichen und Symptome übergehen. Dazu kommt, dass sich viele selbst in mehr Verpflichtungen oder auch Vergnügen stürzen, als sie verkraften können (Ich kenne das von mir selbst nur zu gut). Aber zu viel Ruhe oder übermäßiger Rückzug sind ebenfalls keine Lösung, denn zu wenig Stimulation führt ebenfalls zu körperlichem und seelischem Unwohlsein.


Anzeichen für Untererregung

  • Langeweile

  • Ruhelosigkeit

  • Trägheit

  • Übermäßiger Hunger

  • Zu viel Schlaf

  • Verhalten wie ein Quälgeist

  • Vertiefung in Tagträume

  • Unzufriedenheit mit sich selbst und dem Leben

Hochsensible bräuchten in vielen Situationen eigentlich ein anderes Tempo, um die auf sie einströmenden Reize angemessen zu verarbeiten, indem sie darüber nachdenken können, was geschieht. Diese Möglichkeit gibt es in den meisten Situationen in unserem Alltag jedoch nicht. Vor allem im Beruf ist es häufig besonders schwer, einen passenden Umgang mit dem Übermaß an Reizen und Anforderungen zu finden.

Quellen für Überstimulation

  • Stimulation durch hohe Intensität (z.B. helles Licht)

  • Stimulation durch Dauer (z.B. intensive Konzentration über Wochen, Baustellenlärm über Stunden)

  • Stimulation aufgrund von Komplexität (z.B. Auswahl von vielen Optionen)

  • Stimulation durch Neuartigkeit (z.B. Umzug, jemanden kennenlernen)

  • Stimulation durch Plötzlichkeit (z.B. etwas fällt herunter)

  • Stimulation aus dem Inneren des Körpers (Hunger, Muskelspannungen)

  • Stimulation durch soziale Situationen (z. B. beobachtet, gelobt, kritisiert, gliebt oder bedrängt werden)


Der letzte Punkt ist die intensivste Form der Reizstimulation: Wir sind als soziale Wesen so angelegt, dass ein Großteil der Gehirnaktivität der Interpretation sozialer Signale gewidmet ist: Details in der Mimik, Haltung und der Stimme wahrnehmen und die mögliche Bedeutung des stimmlichen Ausdrucks interpretieren ist für hochsensible Menschen besonders intensiv, da sie mehr Details als andere Menschen wahrnehmen und verarbeiten.


Was heißt das jetzt für dich?


Die Anfälligkeit einer Überreizung ist unser wunder Punkt. Es bringt nichts, sich darüber zu ärgern noch sich selbst dieser Tatsache auszuliefern. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es überhaupt nicht hilfreich ist, alle die Details deiner Wahrnehmung zu ignorieren und so zu tun, als wären sie nicht da.

Ermächtige dich selbst, übernimm Verantwortung für dein Wohlergehen, indem du deine natürlichen Grenzen und Bedürfnisse spürst, ernst nimmst und ihnen vertraust.


Du brauchst als hochsensibler Mensch (auch die extrovertierten und abenteuerlustigen) unbedingt ausreichend Pausen und Erholung, damit die nervliche Erregung wieder abklingen und du Energie aufladen kannst. Dafür ist es wichtig, deine Selbstwahrnehmung zu schärfen und einen achtsamen Umgang mit dir zu entwickeln: Was brauchst du in welcher Situation? Was tut dir gut? Zeit alleine, kreative Aktivitäten, Meditation oder Entspannungsübungen sind einige Möglichkeiten, sich selbst Zeit zu schenken.


Du hast ein sehr gutes Gespür für deine inneren Befindlichkeiten und Bedürfnisse. Nutze es für dich! Gib' deinen natürlichen Bedürfnissen Priorität, damit du die Kraft deiner Sensibilität spüren und entfalten kannst.



In diesem Blogartikel zeige ich dir in fünf Schritten einen Weg aus der Stressbelastung in deine Energiebalance.


Hier geht's zum Artikel.


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© 2020 Henrike Heier

Eberswalde