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Was ist Hochsensibilität

In diesem Blogbeitrag erfährst du, was Hochsensibilität ist und warum es gerade für hochsensible Menschen so wichtig ist, in einer guten Verbindung zu sich selbst zu sein. Wenn du den Beitrag bis zum Ende liest, gebe ich dir eine Übung mit auf den Weg, um herauszufinden, wie bewusst dein Umgang mit deiner eigenen Sensibilität ist. Viel Freude damit.


Geschichtlicher Hintergrund


Falls du noch keine Erfahrung mit dem Thema hast, lass mich bereits eine ganze wichtige Information vorweg geben: Hochsensibilität ist keine Krankheit und auch keine Störung, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal. Der Begriff Hochsensibilität ist vor ungefähr 30 Jahren von der US-amerikanischen Forscherin Elaine Aron in die Psychologie eingeführt worden. Für ganz viele Menschen war dies die Wurzel – der Ursprung, der ihnen die Möglichkeit gab, sich selbst besser zu verstehen und ein neues Verständnis für sich selbst und ihr Anderssein zu entwickeln. Über die Jahre wurde die Forschung zu diesem Thema intensiviert, so dass es auch immer detaillierter beschrieben werden kann.


Erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit


Alle Menschen sind sensibel. Aber nicht alle Menschen sind in ihrer Sensibilität gleich stark ausgeprägt.


Sensibilität ist eine Grundeigenschaft des Nervensystems, die es jedem Menschen ermöglicht, sich auf verschiedene Ereignisse und Gegebenheiten in der Umwelt einzustellen. Mit dem Nervensystem werden Informationen aus der Umwelt empfangen und verarbeitet. Dazu gehören das Erkennen und Vermeiden von Gefahren und das Hinwenden zu dem, was nützlich ist.


Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, bei dem die Sensibilität des Nervensystems gegenüber inneren und äußeren Reizen besonders stark ausgeprägt ist. Alle Menschen verfügen über die Fähigkeit der Registrierung und Verarbeitung von Reizen. Das Entscheidende dabei ist, dass diese Fähigkeit nicht bei jedem gleich stark ausgeprägt ist. Die Empfindsamkeit in der Wahrnehmung und Sinnesverarbeitung ist über alle Menschen normal verteilt, d.h. der größte Teil bewegt sich in einem mittleren durchschnittlichen Bereich. Und dann gibt es jeweils eine kleinere Gruppe, die eine geringe Empfindsamkeit hat, also robuster ist oder die eben besonders sensibel ist. Es sind 20-30 % der Menschen, die sich in dem besonders empfindsamen und feinfühligen Bereich bewegen – also eine besonders sensible Wahrnehmung haben und dadurch deutlich mehr Reize wahrnehmen und diese zudem gründlicher und tiefer verarbeiten.


Die Wahrnehmungsfähigkeit bewegt sich auf einem Kontinuum, es gibt also nicht DEN HOCHSENSIBLEN Menschen - ganz im Gegenteil. Hochsensibilität ist eines von vielen Merkmalen unserer Persönlichkeit. Hinzu kommen viele andere Merkmale, unsere Erfahrungen, Einstellungen und unsere Geschichte, die uns zu dem machen, was wir sind.


Die intensive Wahrnehmung von Reizen kann sich auf alle Sinne (riechen, schmecken, hören, sehen, berühren) beziehen - es kann aber auch sein, dass ein Sinn besonders ausgeprägt und ist. Zum Beispiel nehmen viele hochsensible Menschen Geräusche sehr intensiv wahr. Eine leise Musik im Hintergrund, wird von Personen mit einem sensiblen Nervensystem eher als beeinträchtigend erlebt und auch intensiver wahrgenommen während weniger sensible Menschen die Intensität wahrscheinlich als „ganz normal“ einstufen würden.


Zusammengefasst heißt das: Hochsensibilität ist eine erhöhte Reizempfindlichkeit gegenüber negativen und positiven Einflüssen aus der Umwelt.


Dazu gehören:


Äußere Reize: alles, was du über deine Haupt-Sinne von außen wahrnehmen kannst. Also das, was du hören, sehen, schmecken, fühlen und riechen kannst. Hierzu gehören auch Reize aus der sozialen Umgebung, wie die Stimmung von anderen Menschen oder das Lesen von Mimik und Gestiken.


Innere Reize: alles, was sich um deine eigenen Gedanken und Gefühle dreht.


Informationsverarbeitung

Dadurch dass insgesamt mehr Informationen von hochsensiblen Menschen aufgenommen werden und ins Bewusstsein gelangen, werden auch mehr Details und Facetten registriert, die von weniger sensiblen Menschen oft nicht bewusst wahrgenommen werden.


Löwenzahn-Orchideen-Metapher


Kennst du das Bild von einem Löwenzahn, der durch einen Asphalt wächst? Es ist eine robuste Pflanze, die auch unter widrigen Umständen gut gedeihen kann. Hingegen ist beispielsweise eine Orchidee eine sehr empfindsame Pflanze, die deutlich anfälliger auf Widrigkeiten in ihrer Umgebung reagiert. Doch wenn sie in der zu ihr passenden Umgebung ist, blüht sie besonders schön auf. Diese Metapher zeigt, dass keine Pflanze besser oder schlechter ist. Relevant ist vor allem das Umfeld und wie die Pflanze seine besonderen Stärken und Ressourcen einsetzt und das nicht jede Pflanze den gleichen Nährboden braucht, um gut gedeihen zu können.


Nun fragst du dich sicher, was diese Metapher mit Hochsensibilität zu tun hat? In der Metapher steht der Löwenzahn für die weniger sensiblen und dafür sehr robusten Menschen, Tulpen stehen für die Menschen mit einer durchschnittlich ausgeprägten Wahrnehmungsfähigkeit und die Orchidee für die besonders sensiblen und feinfühligen Menschen (Lionetti et al., 2018).


Es ist für hochsensible Menschen besonders wichtig, in einer guten Verbindung mit sich selbst zu sein. Wenn die Orchidee auf einem Feld voll mit Löwenzahn und vielleicht noch ein paar anderen wilden Pflanzen und Blumen stehen würde, die nicht ganz so empfindlich sind wie sie selbst, so kann sie ihr Potenzial nicht entfalten. Sie benötigt eine Umgebung und auch andere Bedingungen, damit sie sich wohlfühlen und bestmöglich entfalten kann. Für dich ist es daher zunächst wichtig, zu erkennen, ob du eine Orchidee, eine Tulpe oder ein Löwenzahn bist. Vielleicht stellst du bei dieser Frage fest, dass du eigentlich bisher eine Orchidee in einem Löwenzahn-Kostüm bist?


Diese Erkenntnis über dich ist enorm wichtig. Nur wenn du weißt, was und wer du bist, kannst du gut auf deine natürlichen Bedürfnisse eingehen und dein Potential entfalten. Beispielsweise wird es als Orchidee recht schwierig, darauf zu hoffen und zu warten, dass ein Löwenzahn von sich aus erkennt, was du als Orchidee benötigst, um aufzublühen. Wenn du auf dem Feld umgeben von Löwenzahn stehst, wird deine empfindsame Blüte also niemals so schön erstrahlen, wie sie es eigentlich könnte.


Was bedeutet das nun für dich? Was heißt das jetzt für dich?


Das bedeutet, dass der erste Schritt der ist, dich selbst und deine Bedürfnisse kennenzulernen. Lerne in dich hineinzufühlen und herauszufinden, was DU und nicht jemand anderes gerade braucht.


Oft haben hochsensible Menschen in ihrem Leben die Erfahrung gemacht, dass sie doch irgendwie anders „ticken“ als viele Menschen, die sie umgeben. Als Kind haben sie oft die Tendenz gehabt, dennoch „dazu“ gehören zu wollen. Wie oben bereits beschrieben, werden sie als Orchidee im Löwenzahn-Kostüm früher oder später unweigerlich zu der Erkenntnis kommen, dass mit ihnen etwas nicht stimmt – etwas ist anders. Wenn dann das Bewusstsein fehlt, zu erkennen, dass man kein Löwenzahn, sondern eine empfindsame Orchidee ist, kann man fälschlich schlussfolgern, dass mit einem selbst etwas falsch sein muss. Die Gefahr ist dann, dass man langsam aber kontinuierlich beginnt, sich in der falschen Rolle anzupassen. Man orientiert sich mehr und mehr im Außen und über die Zeit verliert man den Kontakt zu seiner inneren Orientierung und die Orchidee verkümmert.


Dieser Kreislauf führt dazu, dass man sich in Lebensumständen manövriert, die nicht zu seinem inneren Wesen passen, nicht seinen Bedürfnissen entsprechen und deswegen auch nie das Gefühl befördern, ganz zu sein, sich wohl zu fühlen oder einfach nur glücklich zu sein.


Wenn du dir nach und nach deiner Stärke und deiner Verbindung zu deiner Umgebung bewusst wirst, dann kannst du auch dein eigenes Leben selbstbestimmt aus deinem Inneren heraus gestalten! Das gilt für den Löwenzahn - aber noch viel mehr für die feinfühlige Orchidee.


Als kleine Übung möchte ich dich dazu einladen, dich selbst in deinem Alltag zu beobachten. Werde dir bewusst, wie oft du dich an Anderen orientierst und wie oft du auf deine eigenen Bedürfnisse oder inneren Signale hörst! Beobachte dich mit einer ganz achtsamen und liebevollen Haltung. Es geht nicht um gut oder schlecht, sondern einfach darum, zu erkennen, wer du in deinem natürlichen Wesen bist. Das ist immer der erste und auch wichtigste Schritt. Ich empfehle dir, Notizen zu machen. Lass beispielsweise am Abend deinen erlebten Tag Revue passieren! Wenn du dir Dinge aufschreibst, verstärkt das den Prozess Dinge bewusster werden zu lassen.


 

Schreib mir gern ein Kommentar, wie du das für dich erlebst hast!


In diesem Blogartikel erfährst du weitere Merkmale von Hochsensibilität.


Hier geht's zum Artikel.



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